Arbergipfel

TIPP: Besichtigung eines Radarturms. Infos unter: www.grosser-arber.org

Wer sich für die Natur links und rechts des Wegesrandes interessiert, der wird schnell merken, dass der Arbergipfel mehr zu bieten hat, als die im Jahr 1983 erbauten Radartürme oder die sonstigen Gebäudeansammlungen im weiteren Gipfelbereich:

Trotz seiner jährlich rund einer Million Besucher ist der Arbergipfel - Dank des seit dem Jahr 2000 vom Landratsamt Regen aufgestellten Wegegebots und der damit verbundenen Besucherlenkungsmaßnahmen, wie beispielsweise den Absperrungen links und rechts des Weges - in vielen Teilen noch einzigartige Natur, denn der Arbergipfel ist Heimat vieler seltener Pflanzen und Tiere.

Einige davon sind außerhalb des alpinen Bayerns nur in den Höhenlagen des Bayerischen Waldes zu finden, wie z.B. die Latschen, die durch ihre niedrige "geduckte" Form besonders gut an das raue Klima des Arbergipfelplateaus angepasst sind.

Latschen auf dem Arbergipfel
Latschen auf dem Arbergipfel

Schneemengen von über zwei Metern sind im Gipfelbereich keine Seltenheit. Die Schneelasten verteilen sich bei den nur ein bis drei Meter hohen Latschen auf eine breitere Fläche. Daher leiden die Bäume, die im Winter häufig vollständig unter der Schneedecke verschwinden, nicht zu sehr unter den Schneemassen.

Dort, wo die Latschenfelder sich lichten, dominiert am Arbergipfel der sogenannte "Borstgrasrasen", ein auch außerhalb von Schutzgebieten besonders geschützter Magerrasen.

Magerrasen
Magerrasen

Auch Nicht-Botanikern fällt zwischen den Steinriegeln eine Pflanze besonders auf: die Gamsbartbinse, deren Grasbüschel uns mit ein bisschen Phantasie an Bürstenborsten erinnern.

Gamsbartbinsen
Gamsbartbinsen

Mitte Juli beginnt die wohl auffälligste und schönste Pflanze des Arbergipfelplateaus zu blühen: der besonders geschützte (Pflücken verboten!) Ungarische Enzian. Da er seit wenigen Jahren an einigen Stellen direkt neben dem Rundwanderweg wächst, können Hobbyfotografen jetzt diese botanische Besonderheit, deren Hauptverbreitungsgebiet eigentlich in den Ostalpen, den Bergamasker Alpen in Norditalien und in den Karpaten liegt, "hautnah" fotografieren, ohne dabei das Wegegebot zu verletzen.

Ungarischer Enzian
Ungarischer Enzian
Landschaftspflegeflächen zum Schutz des Ungarischen Enzians
Landschaftspflegeflächen zum Schutz des Ungarischen Enzians

Das Wegegebot am Arbergipfel dient aber nicht nur zum Schutz seines besonderen Pflanzenschatzes - zumindest erwähnt werden soll noch der Alpen-Flachbärlapp, die Weißzüngel, der Alpenlattich, der Krause Rollfarn und der auffällige Gelbe Enzian, aus dessen Wurzeln der berühmte Schnaps gebrannt wird - sondern auch seiner Vogelwelt:

Einige seiner Vögel jagen und brüten sogar am Boden oder in den Felsriegeln, einige - wie z.B. der Bergpieper, haben ihr Hauptverbreitungsgebiet in den Alpen.

Um sie nicht zu stören, müssen Hundebesitzer ihre vierbeinigen Begleiter im Gipfelbereich anleinen. 

Das Schmalblättrige Weidenröschen ist quasi eine sommerliche "Allerweltspflanze".
Das Schmalblättrige Weidenröschen ist quasi eine sommerliche "Allerweltspflanze".

Naturschutzgebiet "Großer Arbersee mit Seewand"

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Naturschutzgebiet "Großer Arbersee mit Seewand": Schutzgebietsverordnung
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Der "Naturschatz" Großer Arbersee

Großer Arbersee
Großer Arbersee

Der Große Arbersee: Mit 500.000 Besuchern im Jahr (bis zum Ausbau des Rundwanderwegs in den Jahren 2015 bis 2018, Tendenz steigend!) ist er - neben dem Arbergipfel - wohl nicht nur eines der schönsten, sondern auch eines der bekanntesten Ausflugsziele im Bayerischen Wald. Und trotzdem birgt er viele Naturschätze.

 

Seit 1939 steht der Große Arbersee, ein in der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren entstandener Karsee, unter Naturschutz. Besonders die "schwimmenden Inseln" am Großen und am Kleinen Arbersee sind in Bayern einzigartig: Die an den dicksten Stellen ein bis drei Meter dicken - jedoch an vielen Stellen durchlöcherten - "Schwingrasen" entstanden Ende des 19. Jahrhunderts, als die Seen im Zuge der Holztrift aufgestaut wurden und sich die aus Torfmoosen und Seggen bestehenden Verlandungsflächen vom Seegrund losrissen.

Stelzenwurzeln zeugen davon, dass dieser Baum einst auf einem liegenden Baumstamm, der inzwischen längst verrottet ist, keimte.
Stelzenwurzeln zeugen davon, dass dieser Baum einst auf einem liegenden Baumstamm, der inzwischen längst verrottet ist, keimte.
Die weit verbreitete Weiße Pestwurz ist im Bayerischen Walde eine der ersten Frühblüher. Wenn sie verblüht ist, bildet sie große hellgrüne runde Blätter. Sumpfdotterblumenblätter sind dunkler als die Blätter der Pestwurz, haben einen anderen Blattrand.
Die weit verbreitete Weiße Pestwurz ist im Bayerischen Walde eine der ersten Frühblüher. Wenn sie verblüht ist, bildet sie große hellgrüne runde Blätter. Sumpfdotterblumenblätter sind dunkler als die Blätter der Pestwurz, haben einen anderen Blattrand.
Sumpfdotterblumen wachsen dort, wo's besonders feucht ist.
Sumpfdotterblumen wachsen dort, wo's besonders feucht ist.
Das Wollgras - eine typische Moorpflanze - lässt sich schon von weitem auf den Schwimmenden Inseln entdecken.
Das Wollgras - eine typische Moorpflanze - lässt sich schon von weitem auf den Schwimmenden Inseln entdecken.
Auch der Sonnentau (im Volksmund "fleischfressende Pflanze" und das rötlich schimmernde Torfmoos sind typische Moorpflanzen.
Auch der Sonnentau (im Volksmund "fleischfressende Pflanze" und das rötlich schimmernde Torfmoos sind typische Moorpflanzen.

Die Balkenabsperrungen am Wegesrand und im See sollen dazu beitragen, dass auch Naturliebhaber diese Naturschätze nicht aus Versehen zerstören: Um dieses Naturjuwel zu erhalten, müssen Seebesucher hier auf den Wegen bleiben, Baden ist - auch an warmen Sommerabenden - verboten: Zu groß wäre die Gefahr, dass Wasserpflanzen, wie etwa die auffällige gelbe Teichrose (ACHTUNG: Auf den Arberseen gibt es KEINE (weißen) SEErosen (!!!), zerstört werden  oder dass die "Würde" des Sees durch "Badenixen" noch mehr beeinträchtigt wird.

Die naturkundlichen Besonderheiten des Großen Arbersees, seine Geschichte, könnten wohl ganze Bücher füllen. Einen guten Überblick über die wichtigsten Hintergrundinfos liefern die Naturinformationstafeln am Rundweg:

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Naturinformationstafeln am Großen Arbersee
Naturinformationstafeln_Grosser-Arbersee
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Ein besonderer Zeitpunkt für Arberseekenner ist Mitte April: Wie einer geheimen Absprache folgend, versammeln sich zu diese Zeitpunkt jedes Jahr hunderte von Kröten und Fröschen aus den umliegenden Wäldern an den eisfreien Stellen im hinteren Bereich des Sees zum Ablaichen. Nach wenigen Tagen zeugen nur noch Laichballen (Frösche) und -schnüre (Kröten) davon, dass nun auch langsam am Großen Arbersee - auf 950 m NN übrigens das höchstgelegene Biberrevier Bayerns! - der Frühling erwacht. 

Soldanelle
Soldanelle

Die ersten Pflanzen, die gleich nach der Schneeschmelze dem Naturschutzgebiet die ersten Farbtupfer geben, sind sogenannte "Feuchtigkeitsanzeiger": die Weiße Pestwurz und die Sumpfdotterblume.

Häufig ist auch der weiße Sauerklee, dessen Blätter essbar sind. 

Besonders geschützt - natürlich dürfen im Naturschutzgebiet auch die bereits erwähnten "Allerweltpflanzen" nicht gepflückt werden - sind die glockenblumenartigen Soldanellen, der filigrane weiße Fieberklee, die Orchideen und die Schlangen- oder Drachenwurz, bei der ein weißes Blütenblatt schlangenartig einen "Kolben" umwindet.

Er ist im Sommer im Arbergebiet relativ häufig anzutreffen: der Alpen-Milchlattich. Man sagt, die Ureinwohner Lapplands würden ihn gerne in Rentiermilch kochen und als Gemüse verspeisen.
Er ist im Sommer im Arbergebiet relativ häufig anzutreffen: der Alpen-Milchlattich. Man sagt, die Ureinwohner Lapplands würden ihn gerne in Rentiermilch kochen und als Gemüse verspeisen.

Naturschutzgebiet "Kleiner Arbersee"

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Naturschutzgebiet "Kleiner Arbersee": Schutzgebietsverordnung
SchutzgebietsverordnungKlArbersee.pdf
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- Fernsehbeitrag von Angelika Vogel, Bayerisches Fernsehen:

 

https://www.br.de/mediathek/video/naturphaenomen-die-schwimmenden-inseln-im-arbersee-av:59fe27158032ff0018f986f6

Naturschutzgebiet "Riesloch"

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Naturschutzgebiet "Riesloch": Schutzgebietsverordnung
SchutzgebietsverordnungRiesloch.pdf
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Die Rißlochfälle - die höchsten Wasserfälle des Bayerischen Waldes - bestehen aus mehreren Kaskaden.
Die Rißlochfälle - die höchsten Wasserfälle des Bayerischen Waldes - bestehen aus mehreren Kaskaden.
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Naturerlebnis im Naturschutzgebiet "Riesloch"
Rieslochbroschuere.pdf
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Im Naturwaldreservat dürfen Bäume stehend verrotten.
Im Naturwaldreservat dürfen Bäume stehend verrotten.
Tannenbärlapp
Tannenbärlapp

Grenzbahnhof Bayerisch Eisenstein

Ein Zeitzeugenbericht aus dem Jahr 2009

"Der Grenzbahnhof ist für mich gelebte Geschichte! Dort, wo noch vor zwanzig Jahren eine Mauer quer durch die ehemalige Schalterhalle verlief - wo der Eiserne Vorhang also in besonders drastischer Weise zu spüren war - arbeiten seit neun Jahren Deutsche und Tschechen im "Naturpark-Infozentrum Grenzbahnhof", dem "Bayerisch-Böhmischen Informationszentrum für Natur- und Nationalparke" eng und freundschaftlich zusammen. Dort, wo noch vor wenigen Jahren Stacheldraht die Gleise blockierten, verkehren seit Mai 2006 wieder regelmäßig grenzüberschreitend Züge.

 

Europäische Geschichte im Kleinen!

 

Hier, wo einst das Ende der Welt war, ist nun die neue Mitte Europas.

 

Europa - welches Glück Europa bedeutet  - wird hier also tagtäglich mehr als anderswo erfahrbar.

 

Unvergesslich ist mir nicht nur die Aufführung der Eisensteiner Europahymne im Rahmen der ARD-Sendung "Jetzt red I - Europa" auf dem Grenzbahnhof- Bahnsteig. Das Glücksgefühl, das viele von uns Zuschauern erfüllte, können sich Außenstehende wahrscheinlich nur teilweise vorstellen. Aber auch an die Feier zum Schengenbeitritt Tschechiens werde ich mich immer erinnern: Da ich in der Beitrittsnacht in der Naturpark-Betriebswohnung über dem Wachzimmer der Grenzpolizisten übernachten durfte, konnte ich unmittelbar miterleben, wie es war, als die Grenzpolizisten ihr Wachzimmer verließen. Hatte man sie vorher nachts immer reden gehört, so war es jetzt  im Grenzbahnhof nachts still.

 

Europäische Geschichte im Kleinen."

 

                                                                                                                             (Isabelle Auer, 2009)